Testskript

Schiele und das Mädchen

[2006]

schiele war aufgeregt und ungeduldig und wegen seiner bis zum hals zugeknöpften jacke rann ihm der schweiss in strömen über rücken und bauch.
die schutzhülle der karte, die er im hintergrund des ateliers zwischen den dekorationsstücken entdeckt und instinktiv, ohne sie genauer anzusehen unter sein hemd vorne in die hose gesteckt hatte, klebte bereits am körper fest.
im anschluss an seine reflexartige handlung hätte er gerne rasch den ort seiner tat verlassen, aber da das unter keinen umständen möglich war, stand er nun, die hände vor dem körper verschränkt, bewegungslos steif mit dem rücken zu den erwachsenen und achtete auf jedes geräusch.
er kannte das ritual schon auswendig. der fotograf reichte seinem vater eine dieser ominösen karten, dieser zog sie vorsichtig aus der hülle, betrachtete sie aufmerksam, schüttelte den kopf und gab sie lachend mit dem kommentar: »nicht ganz das, was ich mir so vorgestellt habe«, zurück.
aus erfahrung wusste schiele, dass diese art der unterhaltung noch lange dauern konnte.
er fragte sich schon seit längerer zeit, was auf diesen karten, über deren inhalt die beiden männer am tisch stehend sich so angeregt unterhielten, wohl sein könnte und warum gerade er aus dieser kommunikation so konsequent ausgeschlossen wurde – und jetzt war er dicht an der aufklärung dieses rätsels, jetzt besaß er durch zufall selbst eine dieser karten und seine neugierde und sein schlechtes gewissen brachten ihn fast um.
normalerweise arrangierte er, wärend sein vater und der fotograf mit den karten beschäftigt waren, die dekorationsstücke des ateliers um, simulierte eigene fotografische situationen und probierte vor dem atelierspiegel posen und gesten und wenn vorne an der ladentheke die beiden männer sich durch stöße von karten wühlten und die unterhaltung immer angeregter wurde, kletterte schiele regelmäßig unter das stativ und trainierte, unter der kamera hockend – wie er es für sich heimlich formulierte – den blick des fotogafen. als er noch kleiner war, hatte er sich immer gefragt, wieso die wirklichkeit des studios anders als die wirklichkeit der aussenwelt war, aber in der zwischenzeit hatte er dieses rätsel für sich gelöst. es waren das fehlen der raumtiefe und der leere flache hintergrund. schiele betrachtete zur überprüfung seiner persönlichen theorie immer wieder die ausgestellten fotografischen arbeiten. auf den fotos sah alles so wohlarrangiert aus, die perspektive wurde durch die besondere gruppierung der personen und durch sparsam gesetzte dekorationsstücke angedeutet und das licht war so vollkommen und präzise gesetzt, dass die fotografischen ergebnisse einfach perfekt und fast unnatürlich sauber aussahen. eine fotografie war eine art künstliche wirklichkeit, ein arrangement, das so im alltag nicht existierte, was aber war auf diesen, dem öffentlichen blick vorenthaltenen karten zu sehen, von denen jetzt ein exemplar auf seinem bauch festklebte?

schiele heftete die zeichnung an die wand. dieser offene strich und der lockere aquarellhafte farbauftrag ließen die mädchenfigur förmlich im raum schweben. es war die perfekte darstellung einer flüchtigen, vergänglichen situation. er war zufrieden mit sich und seinem blatt.
sein stil hatte sich in den letzten jahren stark individualisiert bzw. gefestigt und auch mit der künstlerischen themenfindung war er persönlich gut klargekommen. eine gekonnt aufreizend expressive umsetzung einer beliebigen, ganz normalen, realen alltagssituation – deren mögliche, bessere verkaufbarkeit ihm sein kunsthändler ebenfalls vorsichtig angedeutet hatte und die ihn auch menschlich zutiefst beschäftigte – war etwas, was nicht nur ihn, sondern alle jungen männer der neukunstgruppe künstlerisch reizte. sie konnten erstmals von sich behaupten, sich mit ihrer neuen malerei erfolgreich vom abgehobenen inhalt und dem eingesessenen stil der akademiekünstler distanziert zu haben. eine neue, zeitgemäße künstlerische ausdrucksweise war geboren worden. dass sie erfolgreich werden würde, hoffte jeder von ihnen – aufregung verursachte sie auf jeden fall schon jetzt.
schiele studierte noch einmal prüfend den gesichtausdruck seines motivs, irgendetwas in diesem blick kam ihm so besonders vertraut vor, und in diesem moment der erkenntnis holte ihn seine kindheit wieder ein.

© BILL WYMO [the snake]

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